Elektroinstallation beim Wohnungsumbau 2026 planen

Lisa Kranse

24. August 2026

Elektroinstallation beim Wohnungsumbau 2026 planen

Wer 2026 eine Eigentumswohnung umbaut, kommt an einem Thema nicht vorbei: der Elektroinstallation. Neue Raumaufteilungen, zusätzliche Steckdosen für Homeoffice-Arbeitsplätze, Ladepunkte für Elektroautos oder eine Wärmepumpe im Bestand, all das verändert den Strombedarf grundlegend. Gleichzeitig sind digitale Planungswerkzeuge heute so weit entwickelt, dass Eigentümer erhebliche Vorarbeit leisten können, bevor überhaupt ein Elektriker das erste Mal den Sicherungskasten aufmacht.

Was digitale Vorplanung heute leisten kann

Moderne Grundrisssoftware wie RoomSketcher, PlanningWiz oder die kostenlose Variante von Floorplanner erlaubt es, Steckdosen, Schalter und Lichtpunkte maßstabsgetreu einzuzeichnen. Das ist kein Ersatz für einen Elektroplan nach DIN VDE 0100, aber eine belastbare Gesprächsgrundlage. Wer dem Handwerker einen fertig bemaßten Grundriss mit eingezeichneten Verbrauchergruppen mitbringt, spart in der Praxis 30 bis 60 Minuten Aufmaß, was sich direkt im Angebot niederschlägt.

Darüber hinaus gibt es browserbasierte Lastberechnungstools. Viele davon sind für Laien gemacht und fragen schlicht ab: Wie viele Herdplatten, welche Leistung hat die geplante Wallbox, läuft die Waschmaschine auf einem eigenen Stromkreis? Aus diesen Angaben ergibt sich ein grober Bedarf in Kilowatt, der zeigt, ob der vorhandene Hausanschluss ausreicht oder ob eine Zählerkasten-Erweiterung zu planen ist. Bei einem typischen Altbau aus den 1970er Jahren mit 40-Ampere-Hauptsicherung ist das spätestens dann relevant, wenn eine 11-kW-Wallbox dazukommt.

Normen und Vorschriften vorab kennen

Bevor Eigentümer mit der Planung beginnen, lohnt ein Blick in die rechtlichen Grundlagen. Die zentrale technische Norm für Niederspannungsanlagen in Deutschland ist die DIN VDE 0100, herausgegeben vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Sie regelt unter anderem Mindestanzahl von Steckdosen pro Raum, Schutzmaßnahmen und die Anforderungen an Fehlerstrom-Schutzschalter. Für Neuinstallationen ab 2026 gilt: RCD-Schutz (Typ A oder B) ist in Wohn- und Schlafräumen Pflicht, nicht nur in Feuchträumen.

Wer in einem Mehrfamilienhaus umbaut, muss außerdem prüfen, ob die geplante Maßnahme unter die Wohnungseigentumsgesetz-Regelungen fällt. Eingriffe ins gemeinschaftliche Stromnetz, etwa der Anschluss einer Wallbox an den Tiefgaragenverteiler, sind ohne Beschluss der Eigentümerversammlung nicht zulässig. Das Wohnungseigentumsgesetz auf gesetze-im-internet.de gibt hierüber verlässlich Auskunft, direkt im Volltext.

Schritt für Schritt: Was Eigentümer selbst vorbereiten

  • Bestandsaufnahme dokumentieren: Fotos vom vorhandenen Sicherungskasten, Beschriftung der Stromkreise, Lage bestehender Leerrohre. Diese Unterlagen beschleunigen jedes Folgegespräch.
  • Verbrauchergruppen auflisten: Welche Geräte laufen dauerhaft, welche nur gelegentlich? Kühlschrank, NAS-Server und Netzwerkverteiler gehören auf eigene abgesicherte Stromkreise.
  • Grundriss digital zeichnen: Steckdosen nach DIN VDE 0100-710 einplanen, mindestens eine Steckdose pro 2 Meter Wandlänge im Wohnraum.
  • Leerrohre vormerken: Wo werden Wände geöffnet? Leerrohre sind günstig und ersparen spätere Stemmarbeiten für Datenleitungen oder zusätzliche Kabel.
  • Budget grob kalkulieren: Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung mit vollständiger Neuinstallation sind je nach Region 8.000 bis 18.000 Euro realistisch, abhängig von Ausstattungsstufe und Aufwand für Trockenbau.

Den richtigen Fachbetrieb finden und beauftragen

Die eigentliche Installation darf ausschließlich durch eingetragene Elektrofachbetriebe erfolgen. Das ist keine Empfehlung, sondern Vorschrift: Wer selbst Hand anlegt und dabei einen Brand verursacht, riskiert den Versicherungsschutz. Für die Suche nach einem geeigneten Betrieb hat sich gezeigt, dass ein regionaler Vergleich vorab viel Zeit spart. Wer gezielt nach einem qualifizierten Handwerker sucht, kann dafür eine Plattform wie Elektriker finden nutzen, um schnell einen Überblick über verfügbare Fachbetriebe in der eigenen Region zu bekommen.

Drei Angebote einholen ist Standard, aber die Qualität der Angebote hängt stark davon ab, wie präzise die Ausschreibung formuliert ist. Ein einseitiges Leistungsverzeichnis, das Kabeltyp (NYM-J 3×1,5 oder 5×2,5), Unterputzdosen-Qualität und Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600 explizit nennt, verhindert spätere Nachtragsdebatten.

Smarthome-Integration von Anfang an mitdenken

2026 ist Smarthome kein Luxusthema mehr. Wer jetzt umbaut und später Jalousiesteuerung, Präsenzmelder oder ein KNX-System integrieren will, sollte das bereits im Rohbau berücksichtigen. Die Vorverdrahtung für einen KNX-Bus kostet bei offenen Wänden kaum Mehraufwand, nachträglich dagegen sind schnell 3.000 bis 5.000 Euro Zusatzkosten fällig. Auch die Kabelwege für Glasfaser und Cat-7-Netzwerkleitungen sollten gleichzeitig geplant werden, da Elektro- und Datekabel in getrennten Leerrohren geführt werden müssen.

Das Umweltbundesamt weist in seinen Veröffentlichungen zur Gebäudeeffizienz regelmäßig darauf hin, dass eine intelligente Gebäudesteuerung den Energieverbrauch im Haushalt messbar senken kann. Konkrete Zahlen variieren je nach Nutzungsverhalten, aber Einsparpotenziale von 10 bis 20 Prozent beim Heizungsmanagement gelten als belegt. Das ist ein Argument, das sich auch gegenüber der Eigentümergemeinschaft gut vertreten lässt.

Was digitale Planung nicht ersetzen kann

So nützlich die Vorarbeit am Bildschirm auch ist: Die Bauzustandsbesichtigung durch den Elektriker bleibt unersetzlich. Versteckte Altleitungen aus Aluminium, fehlerhaft ausgeführte Vorgängerinstallationen oder ein Hauptkabel mit unzureichendem Querschnitt lassen sich nur vor Ort erkennen. Ebenso ist die Abnahmeprüfung nach Abschluss der Arbeiten nicht verhandelbar. Sie dokumentiert, dass die Anlage den Normen entspricht, und schützt den Eigentümer im Schadensfall.

Wer die digitale Vorplanung konsequent nutzt, kommt besser vorbereitet ins Erstgespräch, reduziert teure Planungsschleifen und behält die Kostenkontrolle. Das ist kein Widerspruch zum Einsatz von Fachleuten, sondern die Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit.